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Compagnia Buffo: Zack!

Mit der Premiere von „Zack!“ haben die Schauspieler Jirka Sova und Angela Gülck die Tradition des skurrilen Theaters in der Compagnia Buffo in Restrup fort geführt.

Mit überraschenden Einfällen vor minimaler Kulisse verzauberten sie das Publikum und entführten es in die Welt des russischen Dichters und Schriftstellers Daniil Charms. Schon die Aufforderung an die Zuschauer, das Stück noch vor Spielbeginn kritisch zu diskutieren, brachte nicht nur die ersten überraschten Lacher, sondern zeigte auch den Beginn des roten Fadens, der die Erzählungen und Geschichten in der Geschichte quasi von hinten aufrollte. „Bei uns in Wladiwostok“ begann Olga Petrowna alias Angela Gülck die Einführung in die vielen kleinen Abenteuer der „Bürger“, „Kollegen“ und „Genossen“, die durch simple Zufälle aus der Lebens- Bahn geworfen werden und die Absurdität der Geschehnisse wie in einem Traum konsequent zu Ende bringen. Humor und Ernsthaftigkeit gingen dabei ebenso Hand in Hand wie Dramatik und Leichtigkeit des Lebens. Es war ein ständiger Wechsel und ein Auf und Ab der Gefühle, welche das Publikum in einen emotionalen Strudel rissen und die Zuschauer nicht wissen ließ, ob sie schockiert sein oder doch eher lachen sollten. Das befreiende Lachen war für die meisten die bessere Alternative.

Schauspiel, Interaktionen mit den Zuschauern, Schattenspiel und Diashow gehörten zu den Elementen, mit denen die beiden Schauspieler diese Inszenierung so lebendig werden ließen, dass der Eindruck vom Auftritt vieler Akteure entstand. Eine Flut russischer Namen, die Multiplizität der Personen durch den Einsatz von Leporello- Figuren oder Mützenvielfalt ergänzten die schauspielerischen Fähigkeiten der beiden Darsteller.

Die an der politischen Wirklichkeit des stalinistischen Russlands resignierende Persönlichkeit des Autors Daniil Charms, der seine Hoffnung und Menschenliebe in seine Geschichten übertrug, wurde von Jiri Sova dargestellt. Dessen leicht asketisch wirkendes Äußeres und die immer akkurate und übertrieben höfliche Interpretation seiner Figuren vermittelten beinahe beiläufig die tatsächlichen Charakteristika des russischen Dichters, der als „psychisch kranker Staatsfeind“ 1942 im Gefängnis verhungerte.

Die Faszination von Maschinen und die unbegrenzte Möglichkeit, sich solche in der Fantasie auszudenken, war eine weitere Leidenschaft Charms. Im Theatersaal in Restrup wurde so die Geburtsmaschine vorgestellt, deren einziger Fehler darin bestand, das statt eines Babys ein vierdimensionales Wesen als Minipyramide der Mutter übergeben wurde. Die Vereinigung von Mutter und Kind erfolgte dank des hervorragenden Arztes durch die Umwandlung der Mutter in einen geometrischen Zylinder. Eine ungewöhnliche, aber logische Lösung, typisch für die Vorliebe Charms zu menschenfreundlicher Absurdität.

Skurril, fantasievoll und fesselnd interpretierten Angela Gülck und Jiri Sova die Geschichten von Daniil Charms.

Zum Autor:

Daniil Charms wurde 1905 als Daniil Iwanowitsch Juwatschew in St. Petersburg als Sohn einer adligen Mutter und eines politisch engagierten Vaters geboren. Er begann schon in der Schule mit dem Schreiben von Gedichten und Kurzgeschichten und interessierte sich für die futuristische Avantgarde der russischen Literatur. Mit Dichterfreunden gründete er die Literaturgruppe „Oberio“, in der auch Theater, Film und Malerei einen Platz finden sollten. Die experimentelle Gruppe bekam aber im stalinistischen Russland zunehmend Druck durch die sowjetische Kulturpolitik. Nach nur zwei Veröffentlichungen seiner Gedichtbände zu Lebzeiten und vernichtender Pressekritik an seiner Person verdiente Charms sein Geld mit dem Schreiben von Kinderbüchern. Dies reichte aber nicht für den Lebensunterhalt, so dass er und seine Frau oft hungern mussten, ein Thema in vielen seiner zweifelnden Gedichte. Er wurde mehrmals verhaftet, sein freies Denken, gepaart mit eigenwilligen Auftritten und dem konsequenten Festhalten an überkommenen, weil zaristischen Höflichkeitsformen machten ihn zum „psychisch kranken“ politischen Staatsfeind. Er starb 1942 an Hunger im Leningrader Gefängnis.